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Ein Großteil meiner historischen Arbeit konzentriert sich auf die Vereinigten Staaten des 19. Jahrhunderts, insbesondere auf den Expansionismus im Westen, den Siedlerkolonialismus sowie den Widerstand und die Anpassung der indigenen Gesellschaften. In jüngerer Zeit habe ich einen stärkeren transnationalen und europäischen Fokus hinzugefügt und mich mit der Frage beschäftigt, wie Akteure und kulturelle Vorstellungen aus dem Ausland durch Ereignisse an der Frontier geprägt wurden und diese beeinflussten. Seit ich mich an der Erstellung illustrativer Karten für die Buchversion meiner Dissertation (Settlers as Conquerors, Stuttgart 2018) versucht habe, bin ich fasziniert vom Potenzial der Verwendung von Geografischen Informationssystemen (GIS) zur Darstellung und Analyse historischer Quellen. Ein Großteil meiner aktuellen Arbeit konzentriert sich auf die konzeptionelle Seite der Verwendung von GIS in der Geschichtswissenschaft.


Landnahme und Marginalisierung im US-amerikanischen Westen und Süden, 1863–1934

Meine aktuelle Forschung untersucht, wie demokratische Reformen in der Zeit nach dem Bürgerkrieg die Kolonisationsprozesse im US-amerikanischen Westen beeinflussten. Insbesondere interessiere ich mich dafür, wie erweiterte Vorstellungen von Bürgerrechten, die auf gesetzlicher Ebene nun auch zuvor versklavte Afroamerikaner:innen und zuvor rechtlose indigene Völker einschließen sollten, die Gestalt der Kolonisierung veränderten. Es ist bekannt, dass Reformen wie die Antidiskriminierungsergänzung zum Homestead Act vom Juni 1866, der 14. Zusatzartikel zur US-Verfassung von 1868 und der General Allotment Act (Dawes Act) von 1887 keineswegs zu rechtlicher, geschweige denn sozialer Gleichheit führten. Ich möchte nachzeichnen, wie genau diese Gesetze und andere Reformen die Prozesse der Vertreibung und Neubesiedlung im US-amerikanischen Westen neu konfigurierten. Mein zeitlicher Fokus liegt auf der breiten Periode vom Ende des Bürgerkriegs bis zur Weltwirtschaftskrise.

Zentral für meine Analyse ist der Homestead Act von 1862, der als Fallstudie dient, um die Auswirkungen dieser Reformen zu verstehen. Ich verfolge, wie Siedler:innen Land in Anspruch nahmen, anhand neuer Siedlungsstatistiken des General Land Office, die ich in den National Archives in Washington, DC, digitalisiert habe. Die Georeferenzierung und zeitliche Einordnung dieser Daten in einem GIS ermöglicht einen genaueren Blick auf die Siedlungsprozesse in Kombination mit lokalen wirtschaftlichen, sozialen und umwelthistorischen Entwicklungen.

Die folgenden Karten visualisieren die Anzahl der Landanträge (graue Blasen) neben der Inbesitznahme von nicht abgetretenem indigenem Territorium (grün) und der stetigen Verkleinerung indigener Reservate (lila). Die anschließende Öffnung der Reservate für Homestead-Siedler:innen (infolge des Allotment Act von 1887) wird durch den Übergang von Lila zu Transparent angezeigt.

Karte mit Statistiken zu Homestead-Anträgen, indigenen Landgebieten und Grenzkonflikten zwischen 1863 und 1912

Diese große Karte für 1863 bis 1912 verdeutlicht eine allgemein enge Chronologie von indigener Vertreibung und Homestead-Ansiedlungen. In den gesamten Great Plains und im Fernen Westen beanspruchten Siedler:innen Land kurz nachdem es indigenen Nationen durch Verträge und Exekutivverordnungen entzogen worden war.

Homesteading und Grenzkonflikte in Nebraska, Kansas und Colorado, 1863-1891

In dieser Karte von Colorado, Kansas und Nebraska zwischen 1863 und 1891 habe ich als weiteren Datensatz Grenzkonflikte (rote Sterne) zwischen Siedlern und/oder der Armee mit Arapaho, Cheyenne und gelegentlich Lakota hinzugefügt. Wie zu sehen ist, fanden diese Konflikte in Gebieten statt, die nach Auffassung der US-Regierung „abgetreten“ und somit für Siedler:innen freigegeben worden waren. „Landabtretungen“ wie jene durch die Verträge von 1861 und 1867 für West-Kansas und Nebraska gingen jedoch nicht auf echte Vertragsverhandlungen zurück, sondern nutzten betrügerische Versprechen und gefälschte Vertragsdokumente, um Unterschriften indigener Führer zu erhalten. Ein Nebenprodukt dieser arroganten Vorgehensweise war eine erhebliche Überschneidung von Ansprüchen und viele direkte Zusammenstöße von Homestead-Siedler:innen mit Indigenen, die niemals zugestimmt hatten, das Land zu verlassen.

Georeferenzierte Statistiken und die Zusammenführung mit anderen Karten dienen in meinem Projekt dazu, Muster in den Daten aufzuzeigen, die mir erlauben, neue Fragen zu stellen. Gleichzeitig wurden diese Daten genutzt, um in Zusammenarbeit mit Robert Nelson und Justin Madron vom Digital Scholarship Lab der University of Richmond eine neue Karte für den historischen Atlas American Panorama zu erstellen. Die daraus resultierende interaktive Webkarte untersucht das Verhältnis zwischen indigener Enteignung und Landnahme im Rahmen des Homestead Act von 1863 bis 1912.

Einen detaillierten Kontext zur Vertreibung, die der Homestead Act in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens verursachte, liefere ich in einem Artikel für das Bulletin of the German Historical Institute Washington. Der Artikel vergleicht den Homestead Act mit Vorläufergesetzen aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg und zeigt, wie meine Daten eine neue kritische Analyse ermöglichen. Für eine Diskussion der verwendeten Methoden siehe diesen Blogbeitrag.